
Der junge Guadalquivir in der
Sierra de Cazorla
So bewegt wie die Geschichte der über 2500 Jahre
alten Stadt ist auch die Geschichte des Rio Guadalquivir: Die
Römer tauften ihn Betis, die Mauren nannten ihn Wadi-al-kebir
("Grosser Fluss"), woraus sich
dann der heutige Name ableitete. Der Rio Guadalquivir entspringt im
grössten spanischen Naturpark, in der grandiosen Bergwildnis
der Sierra de Cazorla,
als munter sprudelnder Gebirgsbach, und durchquert Andalusien der
Länge nach von Osten nach Westen. Der Fluss
entwässert gut zwei Drittel Andalusiens, zahlreiche
Nebenflüsse speisen ihr Wasser ein, von Norden her aus der
Sierra Morena und von Süden aus der Kette der
Küstengebirge, sodass er beim Verlassen seiner Heimatprovinz
Jaén bereits ganz beachtliche Ausmasse annimmt.
Am Ende seines 650 km langen Laufes hat der Guadalquivir, wie
um sein Werk mit einem krönenden Abschluss zu vollenden, eine
weitere einzigartige Naturlandschaft geschaffen: das Schwemmland an
seiner Mündung in den Atlantik, die Marismas,
das Sumpfgebiet im Nationalpark Doñana,
ein Paradies für Wasservögel und andere
Raritäten unserer europäischen Fauna.
Auf halbem Weg, ziemlich exakt in der Mitte zwischen diesen
beiden Polen, liegt die altehrwürdige Kalifenstadt
Córdoba am Fuss der Sierra Morena. Schon früh
siedelten Menschen hier in der fruchtbaren und wasserreichen
Guadalquivir- Senke. Die erste dokumentierte Erwähnung der
Stadt Córdoba stammt aus der Zeit der Karthager, um 200
v.Chr. eroberten dann die Römer das Land, im 6. Jahrhundert
folgten die Westgoten, die 711/12 in einer überfallartigen
Blitzaktion von den
Mauren vertrieben wurden.

Córdoba: Blick vom Südufer des Guadalquivir
auf den Alcazar und die Mezquita
Bereits die Römer befestigten die Stadt und
errichteten die 240 m lange Brücke, die den Guadalquivir, wenn
auch nicht mehr ganz im Originalzustand, noch heute in 16 stolzen
Bögen überspannt. Nach Sevilla war Córdoba
die zweitwichtigste Stadt der Provincia Baetica. Die Krieger des
Halbmondes schliesslich verlegten das Zentrum der Macht
endgültig in die Stadt am Fusse der Sierra Morena und damit
begann das glorreiche Zeitalter, von dessen einstigem Glanz und Ruhm
Córdoba, bis in die Gegenwart hinein, noch immer zehrt.
Abderrahman I, der erste selbsternannte Emir von Al-Andaluz,
legte den Grundstein zu einem vom Kalifat in Damaskus
unabhängigen, eigenständigen Staat und begann gegen
Ende seiner Regierungszeit mit dem Bau der Grossen Moschee. Auch seine
Nachfolger liessen sich nicht
lumpen und fügten, sowohl zur Ehre Allahs als auch zur eigenen
Beweihräucherung, ständige Erweiterungen an. Seine
endgültige Ausdehnung erreichte das Bauwerk erst nach gut 200
Jahren Bauzeit, gegen Ende des 10. Jahrhunderts unter Almansor, dem
"Siegreichen".
Um die Jahrtausendwende zählte Córdoba
weit über eine halbe Million Einwohner - zu einer Zeit, in der
es Paris gerade mal auf 30.000 Bewohner brachte und Rom, laut Hermann
Schreiber (Halbmond über Granada,
Lübbe 1980) "... im Vergleich zum Córdoba der
Kalifenzeit eine relativ schwach bevölkerte ausgedehnte
Ruinenstätte" war.

Im "Säulenwald"
Bald nach der Eroberung Córdobas, anno 1236 im Zuge
der Reconquista unter Ferdinand dem Heiligen, wurde der Regierungssitz
des neuen christlichen Spanien zuerst nach Toledo, später nach
Madrid verlegt, und es wurde still um die Stadt am Guadalquivir, die
bisher zu den
berühmtesten Stätten der damals bekannten Welt
zählte. Den Sünden des modernen
städtebaulichen Vandalismus ab der Mitte des 20. Jahrhunderts,
wie ihn beispielsweise Sevilla erdulden musste, entging
Córdoba schlicht und einfach deshalb, weil die Stadtkassen
chronisch leer waren
und die Mittel für grössere Umgestaltungen fehlten -
und so verblieb die Altstadt, glücklicherweise, in mehr oder
weniger ursprünglichem Zustand.
"Der Kern des alten Córdoba", so schwärmt
der Historiker Antonio Dominguez Ortiz, "ist im Wesentlichen erhalten
geblieben, und es entströmt ihm noch immer dieser
würzige Geruch von Jahrhunderten, oder gar Jahrtausenden fast,
der seinem Häuserverband den innigsten Ausdruck andalusischen
Wesens verleiht. Noch ist die Grenze zwischen Medina und Axarquia,
zwischen Innen- und Aussenstadt, vollständig zu erkennen, noch
immer kann man sich im alten Judenviertel verirren, kann man durch
einsame Strässchen schlendern, die ebenso plötzlich
an die Wälle der Stadtmauer stossen wie in die Sammelbecken
der Plätze münden, die von alten Kirchen und
Bürgerhäusern umrahmt werden. Ja, man kann sich sogar
unversehens zwischen die Ruinen der römischen Basilika
versetzt finden,
denn in Córdoba sind, auf wenigen Metern, alle Zeitalter und
alle Kulturen miteinander verschmolzen."

Meisterwerk maurischer Baukunst:
die Kuppel vor dem Mihrab
Treffender kann man mit so wenigen Worten das
römisch- maurische Córdoba kaum schildern, jene
Stadt am "grossen Fluss", die heute so erstaunlich wenig vom Trubel und
der Spritzigkeit Sevillas oder Granadas besitzt, und die eher
schweigsam zwischen den Abhängen der Sierra Morena und der
hügeligen Ebene der Campiña vor sich hin
dämmert. Kaum vorstellbar, dass dies einst die Hauptstadt des
islamischen Märchenreiches war, das pulsierende
Herzstück einer blühenden Kultur, das Zentrum aller
Verkehrsadern der gesamten Iberischen Halbinsel.
Der bis heute andauernde Dornröschenschlaf der Stadt
bedeutet aber nun nicht, dass Sie sich hier zu Tode langweilen
müssen, wenn die nächste Andalusien- Rundreise
Sie nach Córdoba führt. Im Gegenteil: auch
Córdoba bietet eine breite Palette an Festen und kulturellen
Veranstaltungen, bei denen man die vielgerühmte sog.
"andalusische Lebensart" hautnah miterleben kann - und hier im
Landesinneren bekommt man diese Folklore noch etwas
authentischer serviert als in den künstlich hochgezogenen
Touristenburgen entlang der Küste, wo vieles bereits zum
billigen Postkartenkitsch verwässert wurde, teilweise schon
weit jenseits der Grenze zur Unerträglichkeit.

Córdoba aus der Luft bestaunen
mit ballonfahren-in-spanien.de
Besuchen Sie Córdoba zu Ostern und erleben Sie die
berühmten Prozessionen in der Semana Santa,
der Karwoche - oder kommen Sie Ende Mai zum Concurso de Patios,
der nahtlos in die lokale Feria Nuestra Señora de
la Salud übergeht, denn in Córdoba wird
die alte Tradition der Innenhofkultur besonders sorgfältig
gepflegt. Alljährlich werden die schönsten Patios
prämiiert anlässlich einer der rauschenden,
ausgelassenen und feucht- fröhlichen Fiestas, die bis in die
Morgenstunden dauern, und während der die Altstadt in einem
wahren Blumenmeer förmlich zu ertrinken droht. TIPP:
für Busreisen nach Spanien gibt es ein
grosses Angebot von eigentlich allen Städten Deutschlands
aus, wenn Sie sich die lange Anfahrt mit dem Auto ersparen wollen.
Oder betrachten Sie die "Mezquita" doch einmal von oben: auch
das ist möglich und ein Erlebnis ganz besonderer Art, das Sie
so schnell nicht wieder vergessen werden. Córdoba vom Ballon
aus gesehen ist ein wahrhaft atemberaubender Anblick. Dieses einmalige
Abenteuer bietet Ballonfahren
in Spanien mit Stützpunkten im ganzen Land von den
Pyrenäen bis Gibraltar. Für Ballonfahrten in
Andalusien gibt es gleich eine ganze Reihe von Optionen. Angst brauchen
Sie dabei keine zu haben, denn selbstverständlich werden die
Ballonfahrten von einem ausgebildeten und lizenzierten Unternehmen
durchgeführt.

Die Mezquita bei Nacht: im Fluss spiegelt sich
die Moschee mit der Kathedrale
Das Wahrzeichen der Stadt schliesslich muss man einfach
gesehen haben: die Grosse Moschee am Ufer des Rio Guadalquivir, von den
Einheimischen liebevoll La Mezquita ("Moscheechen")
genannt, ist weltberühmt und gilt als die
drittgrösste Moschee der Welt, und
gleich nach der Alhambra in Granada als einer der wichtigsten
Prachtbauten des Islam auf europäischem Boden. Selbst die
nachträglich gewaltsam hineinoperierte Kathedrale tut dem nur
wenig Abbruch, auch wenn die einst endlos scheinenden Fluchten im "Wald
der 1000 Säulen" damit für immer durchbrochen wurden.
Daneben verfügt Córdoba über eine
gewaltige Anzahl historischer Bauten aller Zeitalter: Kirchen, Kapellen
und Klöster, ehrwürdige
Bürgerhäuser und prunkvolle Adelspaläste
sowie die Überreste des königlichen Alcazar
mit seinen prachtvollen Gartenanlagen.
Beachtliche Kunstschätze kann man in den verschiedenen Museen
bewundern, und auf nahezu jeder Plaza, ob gross oder klein, erinnert
irgendein Standbild oder Denkmal an die vielen berühmten
Söhne der Stadt, die das alte und das neuere
Córdoba im Lauf der Geschichte
hervorgebracht hat. Vom römischen Philosophen Seneca
über den arabischen Gelehrten Ibn Rushd oder den
jüdischen Arzt Maimonides bis hin zum Stierkämpfer
Manolete sind alle Epochen mit ihren herausragenden Gestalten vertreten.
Eine ganz ausgezeichnete deutschsprachige Córdoba-Website
informiert Sie über restlos alles, was Sie für einen
Besuch in der Kalifenstadt wissen müssen. Ein umfassender
Online-Reiseführer mit Infos zu Hotels und
Unterkünften, Essen und Trinken, Monumenten und
Sehenswürdigkeiten, Feste, Folklore und Kunsthandwerk. Und
natürlich Tipps für Ausflüge in die
Umgebung. Denn auch in dieser Hinsicht hat Córdoba einiges
zu bieten.
Gleich ausserhalb der Stadt liegt im Westen die mittlerweile
gut restaurierte Ausgrabungsstätte Medina Azahara
oder das liebevoll instand gesetzte Castillo von Almodovar del Rio, das
als eine der besterhaltenen Burgen Spaniens gilt, und im Norden
lädt die Sierra Morena zu
Ausflügen ud Spaziergängen ein. Und wenn Sie richtig
wandern wollen, ist auch die Sierra de Cazorla nicht allzu weit
entfernt. In knapp zwei Stunden erreichen Sie diesen
grössten spanischen Naturpark von Córdoba aus. Dort
können Sie wandern nach Herzenslust, soviel Sie wollen. Oder
einfach nur die Seele baumeln lassen, die Stille geniessen und
weltvergessen in der Nase bohren. Hier stört Sie kein Mensch
dabei und der Sicherheitsabstand zum Trubel der "Zivilisation" ist zu
100% gewährleistet. Sierra de Cazorla: Urlaub unter Geiern -
und Steinböcke stehen morgends am Gartenzaun.
18.Mai 2010 by Raoul Moreno, Jaén /
Andalucia - copyright für Text u. Fotos
für die herrliche Luftaufnahme ein Dankeschön an:
ballonfahren-in-spanien.de